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Beziehungsarbeit

Suchtmittelerkrankte Menschen leiden häufig an gestörten Beziehungsmustern. Sie wachsen oftmals in einem schwierigen familiären Umfeld auf, später gelingt es nur schwer, ein starkes und realistisches Ichbild zu entwickeln, tragfähige Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen und im Schul- und Berufsleben zu bestehen. Der Zugang zu den eigenen Emotionen ist verändert, die Bindungsfähigkeit eingeschränkt, es besteht ein nachhaltig gestörtes Vertrauen in sich selbst und zu anderen. Hier finden Sie einige Hinweise zum Thema Beziehungsarbeit:

  • Die lange Dauer einer OAT erlaubt es der Hausärztin oder dem Hausarzt, mit der Patientin oder dem Patienten eine tragfähige Beziehung aufzubauen und durch gute und schlechte Zeiten geduldig zu begleiten.
  • Die Hausärztin oder der Hausarzt kann mit zunehmender Berufserfahrung die Balance zwischen Konsequenz und Humanität finden.
  • Besonders wichtig ist ein angemessener Umgang mit Rückfall / Vorfall.
  • Hilfreich ist das Erlernen geeigneter Gesprächstechniken (z.B. Motivationale Gesprächsführung).
  • Zur Beziehungsarbeit gehört auch die Berücksichtigung spezifischer Aspekte wie. z.B. Gender, Migrationshintergrund, etc. welche die Behandlung beeinflussen können, vgl. Interkulturalität.
  • Gestaltet sich die Zusammenarbeit mit  der Patientin oder dem Patienten schwierig, kann der Beizug einer Suchtfachstelle oder die Überweisung an spezialisierte Institutionen (Zentrum für OAT mit Methadon, Sevre Long, Levomethadon, Buprenorphin oder Heroin) in Erwägung gezogen werden.
  • Unter Veranstaltungen finden Sie Möglichkeiten des Austausches mit anderen Fachleuten.
  • In einem Auszug aus dem Buch "Empfehlungen zum Beratungssetting bei Opioidagonistentherapien" von Otto Schmid und Thomas Müller sind weitere Hinweise für eine förderliche Beziehungsarbeit festgehalten.

Patient/-in hält Termine nicht ein

  • Klären Sie mit der Patientin oder dem Patienten, welche Tageszeit am besten passt (z.B. abhängig vom Schlafrhythmus).
  • Lassen Sie die Patientin oder den Patienten den Termin auch auf dem Handy-Telefon eingeben ("Alarm", bzw. "Agenda").
  • Planen Sie die Sprechstunde so, dass Sie in dieser Zeit andere Aktivitäten machen können (z.B. in dieser Zeitperiode drei anstelle von zwei Patienten einbestellen; Diktat etc.; KG-Studium / Zusammenfassung --> "Arbeit in Abwesenheit der Patientin oder des Patienten", etc.).
  • Thematisieren Sie in korrektem Ton die Problematik mit der Patientin oder dem Patienten bei der nächsten Konsultation.
  • Erfahrungsgemäss halten Patientinnen und Patienten, die sich ernst genommen fühlen und denen mit Respekt begegnet wird, eher ihre Termine ein.

 
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